Der Drachentöter

Tobias Diekershoff

Er lag am Südhang des Berges, zu dem er in den letzten Jahren immer wieder zurückgekehrt war, wenn die Sonne so wie an diesem Tag schien und er in Ruhe nachdenken wollte.

"Da kommt jemand." Ertönte eine junge, wohlbekannte Stimme.

"Ich weiß", antwortete er, "es ist ein Ritter."

"Was will er?", fragte die junge Stimme.

"Er will uns töten um unsere Schätze zu stehlen und damit prahlen zu können", antwortete er.

"Warum?"

"Ritter tun so etwas."

Dann verstummte die junge Stimme. Er wusste das sie nachdachte und wartete bereits auf die Schlüsse seiner Jugend.

"Werden wir uns wehren?", kam schließlich die Frage.

"Nein."

"Warum nicht? Wir könnten ihn mit einem Prankenschlag zerquetstschen oder ihn mit einem Feuerball verbrennen." Vorfreude schwang in der Stimme mit.

"Ich weiß."

"Warum willst du dich dann nicht wehren?"

"Ich habe keine Lust mehr zu töten. Besonders keine Menschen. Wenn ich einen töte kommen immer mehr um ihn zu rächen. - Sie sind eine Plage."

"Wird ihn das davon abhalten uns zu töten?"

"Vermutlich nicht."

Die junge Stimme seufzte, dann verstummte sie wieder.

Er war erleichtert, dass ihn seine Jugend nicht weiter ausfragte. Sie war immer so ungestüm, so unberechenbar, besonders in letzter Zeit meldete sie sich immer häufiger zu Wort.

*****

Es war ein schöner Tag. Die Sonne schien, keine Wolke war am Himmel zu entdecken und die Vögel zwitscherten ruhig vor sich hin. Es war ein guter Tag um eine ehrenvolle Tat zu begehen und den Drachen zu erschlagen um das Land von einer gefährlichen Bestie zu befreien.

Plötzlich durchbrachen Schritte durch das Unterholz des Waldes die Idylle und ein Junge trat auf den Weg auf dem er ritt.

"Wer bist du?" fragte ihn der Junge.

"Ich bin Richard der Starke und ich bin gekommen um dieses Land von der Unterjochung durch den Drachen zu befreien."

"Warum?"

"Drachen sind böse Geschöpfe. Sie ziehen durch das Land und tyrannisieren die Menschen. Sie rauben ihnen ihr Gold und ihre Töchter und verspeisen sie bei lebendigem Leib."

"Sind alle Drachen so?"

"Ja alle!"

Der Ritter sah sich den Jungen an. Er war klein, schmächtig und hatte anscheinend schon lange nicht mehr genug gegessen.

"Du solltest mir dankbar sein, dass ich euch von diesem Übel befreie."

Der Junge zuckte nur mit den Schultern.

"Hast du keine Angst, dass er dich zerquetschen könnte oder dich in einem Feuerball verbrennt?"

"Nein! Denn er hat keine Chance gegen mich. Ich werde ihn stellen und heldenhaft bezwingen."

"Und wenn er nicht kämpft."

"Er wird kämpfen. Drachen leben um zu kämpfen." Er machte eine kurze Pause und sah sich um. Um ihn herum breitete sich ein alter Wald aus. Er konnte im Moment weder die Felder der Bauern sehen, die sich vor dem Wald erstreckten, noch den Fluss, der durch den Wald floss oder den Großteil des Gebirges, das sich hinter dem Wald erhob, aber er wusste das sie da waren und er wusste das der Drache hier irgendwo war. "Weist du wo ich ihn finde?"

"Er liegt auf dem Südhang des großen Berges dort und sonnt sich", antwortete der Junge und deutete zum Berg, der sich in mitten des alten Waldes erhob, aus dem der Junge gekommen war.

"Danke, eure Leid wird bald vergangen sein!"

Der Junge zuckte nur mit den Schultern und sah dem Ritter dann nach, während dieser langsam weiter ritt. Vielleicht würde er ihn dazu bringen diesen Ritter zu zerquetschen.

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